Die spanische Sängerin Rosalía hat ihr viertes Studioalbum veröffentlicht. „Lux“ erschien am 7. November 2025 und zieht weltweit Aufmerksamkeit auf sich. Nach den Erfolgen von „El Mal Querer“ (2018) und „Motomami“ (2022) zeigt die 33-Jährige erneut ihren Mut zur Veränderung. Das Album verbindet orchestrale Klänge mit Pop und mystischen Themen – ein Werk, das ihre künstlerische Bandbreite deutlich erweitert.
Inhaltsverzeichnis:
- Caroline Shaw und das Londoner Symphonieorchester
- Mystizismus und Sprachenvielfalt
- Choräle und barocke Einflüsse
- Pop mit klassischer Seele
Caroline Shaw und das Londoner Symphonieorchester
Die Produktion von „Lux“ brachte eine ungewöhnliche Zusammenarbeit hervor. Rosalía arbeitete mit der US-amerikanischen Komponistin Caroline Shaw, Trägerin des Musik-Pulitzer-Preises, zusammen. Das Londoner Symphonieorchester spielte die Arrangements ein. Shaw war bereits 2016 an Kanye Wests Album beteiligt. Ihre Kompositionen für „Lux“ erinnern an barocke Violinkonzerte und verbinden Klassik mit moderner Popstruktur.
Die erste Single „Berghain“, veröffentlicht am 27. Oktober, entstand gemeinsam mit der isländischen Sängerin Björk und dem US-Künstler Yves Tumor. Der Song löste mit seiner Mischung aus Chor, Elektronik und klassischen Elementen eine große Resonanz aus. Besonders auffällig ist der Chor, der wiederholt deutschsprachige Zeilen singt: „Seine Angst ist meine Angst, Seine Wut ist meine Wut, Seine Liebe ist meine Liebe, Sein Blut ist mein Blut.“
Ähnliche Klangexperimente begeistern derzeit viele Künstlerinnen. So setzte auch Lady Gaga in Berlin auf orchestrale Showelemente, die klassische Musik mit Pop verbinden.
Mystizismus und Sprachenvielfalt
Rosalía beschreibt ihr Werk als „maximalistisch“. Nach dem minimalistischen Ansatz von „Motomami“ habe sie diesmal Themen wie Mystizismus und das Postreligiöse in den Mittelpunkt gestellt. Das Album enthält Texte in dreizehn Sprachen, darunter Spanisch, Katalanisch, Deutsch, Latein und Japanisch. Diese Sprachvielfalt unterstreicht den globalen Charakter des Albums und verleiht jedem Song eine eigene Atmosphäre.
In „Porcelana“ rappt Rosalía auf Latein: „Ego sum nihil, ego sum lux mundi.“ Begleitet wird sie von Streichern, die an Bernard Herrmann erinnern. „Reliquia“ wiederum erinnert mit seiner Struktur an die Werke von Max Richter oder Michael Nyman. In „La Perla“ kombiniert sie Walzerrhythmus mit einer modernen Erzählweise über Liebe und Täuschung.
Die Künstlerin bezieht sich im Booklet auf philosophische Figuren wie Simone Weil und Rabia von Basra. Diese Verweise geben dem Album Tiefe, ohne es schwer zugänglich zu machen. „Lux“ bleibt trotz seiner Komplexität ein Pop-Album mit hoher Hörbarkeit.
Rosalía zeigt mit „Berghain“ die eindrucksvolle Verbindung von Opernklang und modernem Pop:
Film: YouTube / Kanal RTVE Noticias
Ein ähnlicher Brückenschlag zwischen moderner und klassischer Musik ist auch in Deutschland zu beobachten, etwa bei Suzanne Vega im Berliner Kammermusiksaal, die akustische Elemente mit klassischer Instrumentierung verband.
Choräle und barocke Einflüsse
Ein zentrales Merkmal des Albums ist der Einfluss barocker Musik. Die Streicher des Londoner Orchesters erinnern an den „Winter“ aus Vivaldis „Vier Jahreszeiten“. Gleichzeitig wirken die Chorpassagen wie eine Hommage an Carl Orffs „Carmina Burana“. Rosalía nutzt diese Elemente nicht als Zitat, sondern als integralen Bestandteil ihrer Klangsprache.
Ihre Stimme tritt dabei aus der gewohnten Popstruktur heraus. Statt gehauchtem Flamenco-Gesang wählt sie einen opernhaften Stil. Die Verbindung von klassischem Gesang und elektronischer Produktion ist eines der auffälligsten Merkmale von „Lux“. Diese musikalische Entscheidung hebt sie deutlich von früheren Alben ab.
Pop mit klassischer Seele
„Lux“ ist kein klassisches Album, sondern ein Pop-Projekt mit klaren klassischen Anklängen. Rosalía setzt bewusst auf große orchestrale Arrangements und ätherische Chöre. Das Ergebnis ist ein intensives Klangbild, das gleichermaßen experimentell wie zugänglich wirkt.
Die Produktion wurde in London, Los Angeles und Barcelona aufgenommen. Jedes Stück ist sorgfältig arrangiert und in sich geschlossen. Titel wie „Reliquia“ oder „La Perla“ zeigen, dass Popmusik auch Raum für künstlerische Ambition bieten kann.
„Lux“ ist ein mutiges Werk, das Grenzen zwischen Genres auflöst und Pop mit spiritueller Tiefe verbindet.
Wer sich für die Verschmelzung von Musikstilen interessiert, findet auch in Themen wie der Zukunft der Musikproduktion spannende Einblicke, wie neue Technologien klassische und moderne Klänge vereinen.
Quelle: SWR