Patti Smith in der Zitadelle Spandau
Patti Smith in der Zitadelle Spandau, pixabay/Foto illustrativ

Ein mitreißender Abend voller Erinnerungen, politischer Botschaften und klanglicher Experimente: Am Freitagabend verwandelte Patti Smith die Zitadelle Spandau in einen Ort der Musikgeschichte. 50 Jahre nach der Veröffentlichung ihres Debütalbums „Horses“ präsentierte sie ein Set, das weit über Nostalgie hinausging. Statt sich allein auf den Klassiker zu stützen, zeigte sie ein facettenreiches Porträt ihrer musikalischen Reise.

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Rückblick auf „Horses“ mit Regen und Emotionen

„Habt ihr gestern auch diesen wunderbaren Regenbogen gesehen?“, fragt Patti Smith zu Beginn. Zwei Bögen habe sie beim Spaziergang durch Berlin gesehen, dazu „dieser herrliche Mond“. Der Regen über der Zitadelle untermalte diesen emotionalen Einstieg.

Nur ein Lied aus dem legendären Album erklang an diesem Abend: „Redondo Beach“ eröffnete das Konzert. Stücke wie „Gloria“ oder „Break It Up“ fehlten jedoch. Smith entschied sich bewusst gegen ein konventionelles Jubiläumskonzert und für ein persönliches musikalisches Mosaik, das Freunde, Familie, politische Anliegen und Erinnerungen verband.

Ausdrucksstarke Stimme und politische Wucht

Smiths Stimme blieb trotz ihres Alters ausdrucksstark und wandlungsfähig. Sie führte durch „Transcendental Blues“, interpretierte „Ghost Dance“ und rüttelte mit „1959“ wach. Besonders eindrücklich: „Spell“, angelehnt an Allen Ginsbergs „Howl“, nun aktualisiert auf die Lage im Nahen Osten.

Die Themen des Abends reichten von der Zerstörung indigener Kulturen in den USA, über den Exilweg des Dalai Lama, bis zu aktuellen Konflikten im Gazastreifen. Bereits nach 30 Minuten sammelten sich Besucher an den Bierständen, diskutierten das Gehörte. Musik und Botschaft gingen Hand in Hand.

Smashing Pumpkins, Lernprozess und lautes Lachen

„Ich lerne gerade einen neuen Song“, sagte Smith und begann „Bullet with Butterfly Wings“ von den Smashing Pumpkins. Noch nicht fehlerfrei – aber voller Energie. Mit 78 Jahren tobt sie über die Bühne, probiert Neues und lacht über Pannen. Die Gitarre griff sie später selbst, doch der Akkord saß nicht. Bassist Tony Shanahan ließ das nicht durchgehen – Patti Smith wurde live unterrichtet, das Publikum jubelte.

Der Höhepunkt kam mit „Beneath the Southern Cross“, gemeinsam mit Sohn Jackson und Shanahan im musikalischen Höhepunkt vereint. „Feel the Raindrops. Feel that fucking freedom!“, rief Smith – eine der lautesten Reaktionen des Abends folgte. Menschen mit Outdoor-Jacken streckten die Arme in die Luft.

Kraftvolles Finale in der Zitadelle

Das Konzert endete mit einem doppelten Abschluss: „Because the Night“ im Lichtermeer der Mobiltelefone und als Zugabe „People Have the Power“. Ein lauter Liebesbrief an die Gemeinschaft und ein Protestlied in einem.

Mehr als 90 Minuten lang bewegte, umarmte, erinnerte und forderte Patti Smith das Publikum. Trotz der spürbaren Erschöpfung wirkte sie erfüllt. Die Energie von „Horses“ war in jedem Moment spürbar. Ein Abend zwischen Geschichte, Gegenwart und unbeugsamer Kreativität.

Quelle: RBB24