Die Festival-Saison 2025 zeigt erneut deutliche Unterschiede zwischen großen kommerziellen Veranstaltungen und Projekten, die bewusst auf Geschlechtergerechtigkeit setzen. Während Rock am Ring und Hurricane mit extrem hohen Männerquoten auftraten, präsentiert das Pop-Kultur-Festival in Berlin ein anderes Bild.
Inhaltsverzeichnis:
- Rock am Ring und Hurricane mit Männerdominanz
- Pop-Kultur-Festival mit klarer Quote
- Kritik von Rike van Kleef
- Zahlen zu Produktionen in Deutschland
- Sherin Striewe stärkt neue Vorbilder
- Schritte für die Zukunft
Rock am Ring und Hurricane mit Männerdominanz
Die Zahlen der größten Musikfestivals in Deutschland sind eindeutig. Beim Rock am Ring 2025 standen 92 Prozent Männer auf der Bühne. In Niedersachsen beim Hurricane-Festival spielten 84 Bands ausschließlich mit Männern. Lediglich 5 Acts waren rein weiblich, dazu kamen 11 Gruppen mit weiblicher Beteiligung.
Diese Zahlen unterstreichen ein strukturelles Problem in der Branche. Auf den Hauptbühnen dominieren seit Jahren männliche Künstler, während Frauen nur am Rande vertreten sind.
Pop-Kultur-Festival mit klarer Quote
Ein Gegenmodell bietet das Pop-Kultur-Festival in Berlin. Es findet 2025 im Silent Green im Stadtteil Wedding und in der Kulturbrauerei in Mitte statt. Das Festival erreicht einen Frauenanteil von 60 Prozent bei den Live-Auftritten.
Verantwortlich dafür ist Marie von der Heydt, Leiterin des Musicboard Berlin. Seit der ersten Ausgabe vor zehn Jahren wird auf ein ausgewogenes Line-up geachtet. Besonders in diesem Jahr konnte die Vorgabe übertroffen werden.
Zu den auftretenden Künstlerinnen gehören:
- Ceren, eine Berliner Rapperin, die dreisprachig auftritt und mit „Shabab(e)s im VIP“ gemeinsam mit Pashanim Platz 1 der Charts erreichte.
- Andreya Casablanca, bekannt aus dem Duo Gurr, die ein spezielles Performance-Projekt im Ramba-Zamba-Theater entwickelt.
Das Festival wird überwiegend durch öffentliche Fördermittel finanziert. Das Land Berlin, der Bund und die EU übernehmen den Großteil der Kosten. Dadurch können Programme realisiert werden, die in rein kommerziellen Kontexten nicht möglich wären.
Kritik von Rike van Kleef
Die Musikjournalistin Rike van Kleef untersucht in ihrem Buch „Billige Plätze“ die Hintergründe. Sie beschreibt eine „Bro- und Buddy-Kultur“ in der Branche, die Frauen systematisch benachteiligt. In vielen Booking-Teams arbeiten überwiegend Männer, was sich auch in den Bühnenprogrammen widerspiegelt.
Van Kleef berichtet zudem von eigenen Erfahrungen. Sie sei beleidigt, genötigt und sogar mit K.o.-Tropfen bedroht worden. Diese Probleme reichten von fehlender Beförderung bis hin zu körperlicher Gewalt. Viele Frauen seien mit solchen Bedingungen konfrontiert.
Zahlen zu Produktionen in Deutschland
Ein weiteres Problem betrifft die Musikproduktion. Im Jahr 2023 wurden nur 2 Prozent der Top-100-Singles in Deutschland von nicht-männlichen Produzenten erstellt. Das bestätigt die Wahrnehmung vieler Künstlerinnen, dass Produktionsräume stark von Männern dominiert werden.
Die amerikanisch-karibische Musikerin Sera Kalo, die seit 15 Jahren in Berlin lebt, berichtet von Hürden in Studios und auf Festivals. Frauen müssten sich ständig beweisen, während männlichen Kollegen viele Türen automatisch offenstünden. Kalo gewann 2023 den „Female Producer Prize“, der im Umfeld des Pop-Kultur-Festivals verliehen wird. Seitdem, so sagt sie, werde sie als Produzentin ernster genommen.
Sherin Striewe stärkt neue Vorbilder
Auch auf den Turntables zeigt sich ein Ungleichgewicht. DJ Sherryaeri, bürgerlich Sherin Striewe, organisiert die Partyreihe Rage’n’Bounce. Dort stehen bewusst Frauen, nicht-binäre und trans* Personen am Mischpult. Sie weist darauf hin, dass hohe Kosten für Technik und Programme vielen den Einstieg erschweren.
Initiativen wie „Music Women* Germany“, in deren Vorstand Striewe sitzt, setzen auf Vorbilder und Sichtbarkeit. Ziel ist es, den Nachwuchs zu motivieren und alternative Strukturen zu schaffen.
Schritte für die Zukunft
Damit sich die Bedingungen in der Musikbranche ändern, braucht es Engagement. Rike van Kleef fordert vor allem weiße Cis-Männer in privilegierten Positionen auf, Verantwortung zu übernehmen. Verbesserte Arbeitskultur und faire Chancen seien nur erreichbar, wenn alle Akteure gemeinsam daran arbeiten.
Das Beispiel des Pop-Kultur-Festivals zeigt, dass eine andere Verteilung möglich ist. Zahlen, Programme und konkrete Projekte machen sichtbar, dass Vielfalt auf der Bühne realisiert werden kann.
Quelle: RBB24, YouTube