Konzert von Masha Qrella
Konzert von Masha Qrella, pixabay/Foto illustrativ

Ein besonderes Konzertabend im HAU in Berlin wurde zur musikalischen Rückkehr der Künstlerin Masha Qrella. Ihr neues Album "Songbook" verbindet Coverversionen mit persönlichen Geschichten und deutschen Texten.

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Ein Heimspiel für Masha Qrella

Für Masha Qrella war der Auftritt im Hebbel am Ufer nicht nur das Tourfinale, sondern auch ein persönliches Zuhausekommen. Seit über 20 Jahren prägt sie die Musikszene, zuerst in Post-Rock-Formationen, später mit einer erfolgreichen Solokarriere. Der Veranstaltungsort war dabei bewusst gewählt. Bereits 2016 vertonte sie im HAU Gedichte von Heiner Müller. 2019 folgte eine Aufführung von Texten Thomas Braschs, aus denen das gefeierte Doppelalbum „Woanders“ entstand.

Qrella zeigte sich trotz Routine nervös, sprach offen über technische Pannen und persönliche Unsicherheiten. Ihre Auftritte zeichnen sich durch Zurückhaltung und emotionale Tiefe aus. Die klare, eindringliche Stimme trifft auf reduzierte Basslinien und sparsame Rhythmen. Diese musikalische Schlichtheit erzeugt eine starke Wirkung.

Wurzeln und Identität bei Alexander Osang und Manfred Krug

Seit 2019 singt Qrella verstärkt auf Deutsch – ein bedeutender Schritt für die gebürtige Ost-Berlinerin Mariana Kurella. Das aktuelle Album „Songbook“ vereint liegen gebliebene Auftragsarbeiten mit Coverversionen, darunter „Wut und Glück“, basierend auf einem Essay von Alexander Osang. In dem Lied verarbeitet sie ihre zwiespältige Beziehung zur Hauptstadt. Die Zeilen thematisieren das emotionale Spannungsfeld zwischen Heimat und Entfremdung.

Auch Manfred Krugs Lied „Um die weite Welt zu sehen“ spielt sie an diesem Abend. Der Song, ursprünglich eine Reflexion Krugs nach seiner Ausreise aus der DDR, erfährt bei Qrella eine neue Intensität. Gemeinsam mit Andreas Bonkowski und Andi Haberl steigert sie sich in ein psychedelisches Finale hinein.

Gitarrenprobleme, alte Songs und neue Bedeutungen

Auf der Bühne wechselt Qrella zwischen Gitarre, Bass und Synthesizer, doch nicht alles verläuft reibungslos. Tourbedingte Schäden an ihren Instrumenten machen ihr zu schaffen. Trotz technischer Schwierigkeiten gelingt es ihr, mit ihrer zurückhaltenden Präsenz das Publikum zu berühren.

Einige Stücke spielt sie zum ersten Mal seit über zehn Jahren wieder. Der Song „Feels Like“ habe für sie heute eine neue Bedeutung. Erst nach Jahren habe sie die dahinterliegende Thematik – eine Form der Großstadtdepression – wirklich verstanden.

Whitney Houston und der Wandel der Wirkung

Mit dem Klassiker „I Wanna Dance With Somebody“ von Whitney Houston wagt sich Qrella auf ungewohntes Terrain – und überrascht. Die tanzbare Version verliert bewusst ihre grelle Fröhlichkeit. Stattdessen wird daraus ein ruhiges, introvertiertes Lied, das tiefer berührt als das Original. Auch englischsprachige Titel wie „Talk To The Trees“ von Chet Baker oder „Heart Failed“ von Saint Etienne interpretiert sie mit viel Einfühlungsvermögen.

Die emotional stärksten Momente entstehen jedoch, wenn Qrella deutsch singt. Besonders eindrucksvoll wirkt „Nun lauft schon ihr Kleinen“, eine Ode einer Katzenmutter an ihre Jungen. Die Botschaft des Liedes – Schmerz zeigen, Freundschaft suchen, Verletzungen heilen – bildet den eindringlichen Abschluss eines facettenreichen Abends.

Masha Qrella bleibt eine der wichtigsten Stimmen der Berliner Pop-Szeneleise, aber kraftvoll.

Quelle: RBB24